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Hallux valgus (Teil 1), das Schreckgespenst, das in vielen Damenschuhen lauert.

Hallux valgus, wenn dieser Begriff fällt, zucken viele Frauen zusammen. Kaum ein medizinischer Fachbegriff geniest diesen enormen Bekanntheitsgrad in der weiblichen Bevölkerung. Das Bild des Hallux valgus ist in den meisten Gehirnen sofort abrufbar, sie denken an die Fußdeformation, an die optische Verunstaltung der Zehen und an Schmerzen, sie denken an scheuernde Stellen in zu engen Schuhen und sie denken an Operationen. Selbst bei nicht direkt von dem Leiden betroffenen werden beim hören des Begriffes diese Bilder erzeugt.

Doch so schlimm diese Vorstellungen und Bilder bei vielen auch sein mögen, kein Fuß-Problem wird so unbekümmert und so lange einfach hingenommen, wie der Hallux valgus. Die meisten erkennen erst einen Grund für Bekümmerung oder gar Handlungsbedarf, wenn der Ballenzeh, also der Ballen des nach außen wachsenden Großzeh-Grundgelenks, Scherzen erzeugt. Und selbst mit Schmerzen beim Gehen und wunden Scheuer-stellen am Großzeh laufen die Leute zum Teil noch Jahre und Jahrzehnte lang herum, ehe sie nach Rat suchen.

Zwei Damenfüße mit Hallux valgus, im Hintergrund zwei Stöckelschuhe.

Man kauft sich halt breitere und bequemere Schuhe. Man läuft nicht mehr so viel.

Der Grund für dieses Dulden des Problems ist in erster Linie die Meinung welche über die Entstehung des Hallux valgus herrscht. Ja, – „herrscht“. Diese Meinung übt eine wahre Herrschaft über die Sichtweise auf dieses Fußproblem aus. Ich zitiere hier den allerersten Eintrag auf Google, der auf die Frage zu finden ist: „Was ist die Ursache von Hallux valgus?“

Die Antwort, Zitat: „Mögliche Ursachen sind Veranlagung, ein schwaches Bindegewebe und zu enge Schuhe.“ Zitat-Ende. Punkt.

Veranlagung? Ja wenn es Veranlagung ist, dann ist ja wohl klar, dass man hier nichts dagegen machen kann. Der Veranlagung ist man schließlich ausgeliefert. Es ist vererbt, von der Mutter, die hat es von der Großmutter … . Das hat man halt in unserer Familie. Nichts zu machen. Auch das schwache Bindegewebe, – das ist natürlich auch vererbt, – was denn sonst. Durch was sonst, sollte man denn schwaches Bindegewebe bekommen? Und vor allem, was sollte man dagegen tun? Bleiben noch die „zu engen Schuhe“. Das war eine Jugendsünde, das kann man auch nicht rückwirkend wieder gut machen. Dann zieht man halt keine engen Schuhe mehr an. Und Stöckelschuhe schon gleich gar nicht mehr. Ja, … die Stöckelschuhe waren schuld, darum trägt man jetzt die bequemen, flachen und breiten Latschen. Quasi als Strafe für die Stöckelschuhe. Doch die flachen und bequemen Schuhe halten die Entwicklung des Hallux valgus nicht auf. Sie verhindern nur dass er allzu sehr schmerzt. So entwickelt sich die Fußverformung weiter und weiter, bis Arthrose eintritt, große Schmerzen und Unbeweglichkeit. Das Ende des Unbehagens soll, so verspricht es dann die Medizin, eine Operation vollbringen.


Auch auf die Frage, was man denn gegen den Hallux valgus tun kann, sind die Antworten auf Google ziemlich knapp. Denn, wie könnte es anders sein, das Google-Ergebnis bildet auch nur die verbreitetste Meinung ab.

Zitat Google: „Es gibt verschiedene Möglichkeiten, den Hallux valgus zu behandeln. Eine gute Lösung für alle, die keine OP möchten sind Hallux-Schienen oder -Bandagen. Sie richten die Zehen auf, lindern Schmerzen und helfen das Fortschreiten der Fehlstellung zu verhindern.“ (Zitat-Ende) Erst wenn man etwas weiter sucht, ist auch die Rede von der Stärkung der Fußmuskulatur. Das hört sich nach „Arbeit“ an. Schienen, die den Zeh wieder hinbiegen? Das ist mit Sicherheit eine Tortour. Viele haben das schon ausprobiert. Vielen hat es etwas geholfen, die Optik zu verbessern, die Schmerzen zu lindern. Doch die Übungen, um die Fußmuskulatur zu stärken? Welche Muskulatur überhaupt?


Auch in der Apothekenumschau , einem sehr renommierten Blatt, dessen Artikel sehr gut recherchiert sind, ist zu dem Thema nicht sehr viel mehr zu entnehmen. In dem Artikel von Dr. Christian Heinrich am 16.09.2022 wird immerhin ein möglichst frühzeitiges Angehen der Problematik propagiert. Doch die Ursachen werden ähnlich wie in den pauschalen Mehrheitsmeinungen, die auf der ersten Seite von Google zu finden sind, auf schwaches Bindegewebe, genetische Veranlagung, Schuhe mit hohen Absätzen und zusätzlich auf rheumatische Erkrankungen geschoben. Als Herangehensweise empfiehlt Heinrich in dem Artikel Bandagen, Schienen, Einlagen und eben auch wider das Training der Fußmuskulatur. Heinrich zitiert in dem Artikel auch Professorin Daphne-Asimenia Eschenbach, die leitende Oberärztin an der Orthopädie und Unfallchirurgie am Universitätsklinikum Marburg. Ihrer Meinung nach reichen zwei bis drei Physio-Sitzungen völlig aus, um Übungen zu erlernen, mit denen man zu hause die Fußmuskeln stärken kann um den Hallux valgus aufzuhalten. Doch das Wort „Übungen“ da klingt im Gehirn das Wort „Übel“ mit. Wer macht schon gerne Übungen. Wer keine eiserne Disziplin aufbringt, so scheint es – und das geht auch zwischen den Zeilen des Artikels der Apothekenumschau hervor, – der kommt irgendwann an einer Operationen nicht vorbei.

Ja, so scheint es. Es scheint so, als wäre der menschliche Fuß, und nach der statistischen Häufigkeit des Hallux valgus, vor allem der menschliche Fuß von Frauen, eine wahre Fehlkonstruktion der Schöpfung.


Was allerdings Frau Prof. Eschenbach noch anspricht, das ist die Individualität der Problematik. Sie sagt, man müsse jeden Fall für sich anschauen und individuell behandeln. Das ist der Punkt, – und es ist einer der wenigen Punkte – in denen ich in diesem Zusammenhang, der Medizin beipflichte. Denn ich sehe schon die Entstehung des Hallux valgus wesentlich komplexer als die Mehrheitsmeinung und weite Teile der Medizin es sehen möchten. Ich glaube nicht, dass der menschliche Fuß eine Fehlentwicklung darstellt, an der schließlich operative Veränderungen vorgenommen werden müssen. Ich glaube auch nicht, dass ein Gen existiert, das den Hallux valgus wachsen lässt. Ich glaube nicht, dass nur ein schwaches Bindegewebe für die Situation verantwortlich ist. Und erst recht glaube ich nicht, dass schicke Stöckelschuhe zwangsweise zum Hallux valgus führen.



Was ich glaube, und nicht nur glaube, sondern auch in langjähriger Praxis erkannt habe das erfahrt Ihr im nächsten Blockartikel.



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