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Hallux valgus (Teil 3) - Wissen und Erfahrung, so entsteht ein Kurs

Der Hallux valgus ist ein sehr individuelles Problem, es hängt im wesentlichen mit den Bewegungsmustern seines Besitzers und nur in geringem Maße mit einem zu weichem Bindegewebe zusammen. Das Geschwafel von der „genetischen Disposition“ regt mich auf.

Gut, man mag mir nachsagen, ich lehne mich mit meinen Aussagen ein bisschen weit aus dem Fenster. Und ich gebe auch zu, die Neigung zu schwachem Bindegewebe kann vererbt werden, und schwaches Bindegewebe kann als ungünstiger Faktor mit in die Entwicklung eines Hallux valgus mit hineinspielen.


Es gab Zeiten in meiner therapeutischen Vergangenheit da habe ich mich um den Hallux valgus gar nicht so gekümmert. Seit 2000 betreibe ich meine Heilpraktiker-Praxis in Ingolstadt. Ich war damals ein richtiger Fan der Chiropraktik, die ich am Ackermann Institut in Stockholm erlernt habe, doch dabei ging es ausschließlich darum, die Wirbel und das Becken wieder einzurenken, so dass eine gewisse Symmetrie des Körpers wieder hergestellt ist. Wenn ein Zeh schmerzte, dann gab es aus der Sicht dieser Therapie lediglich die Möglichkeit festzustellen, ob einer der Zehen dislokiert (ausgerenkt) ist, und diesen dann durch kräftiges Ziehen, exakt in eine bestimmte Richtung, wieder einzurenken. Einen Hallux valgus habe ich damals lediglich „zur Kenntnis genommen“. Seit 2003 habe ich mich zunehmend auf manuelle Körpertherapien spezialisiert. Ich habe eine Rolfing-Ausbildung begonnen und parallel dazu Fortbildungen in Osteopathie gemacht. Beim Rolfing geht es um die Befreiung der Körperachsen und um ausgewogene Beweglichkeit, um anmutige Bewegungen, um ein harmonisches Zusammenspiel von Bewegung, Atmung und Körperhaltung. Rolfing liegt der ganzheitliche Ansatz zu Grunde, dass alle Bewegungen im Einklang mit der Schwerkraft stattfinden. Rolfing ist ein manuelles Therapiekonzept, bei dem in 10 aufeinander aufbauenden Behandlungs-Sitzungen die Faszien-Struktur des Patienten entsprechend umgestaltet wird. Als Rolfer sehe ich das statische System des Menschen, und greife hier gezielt ein, um es zu verbessern. Je mehr der Rolfer die Gesamtheit des statischen Systems im Blick hat und je einfühlsamer er seine Veränderungen die er an einer bestimmten Körperstruktur schafft, im restlichen Körper integriert, desto nachhaltiger arbeitet er.

Es war vor 11 Jahren, als eine Patientin zwecks einer Rolfing-Auffrischungs-Sitzung zu mir gekommen ist. Die Patientin hatte ein kleines Büchlein dabei. Der Titel lautete in etwa „Hallux valgus, die besten Übungen zur Selbsthilfe“. Sie sagte: „Herr Lesti, ich schenken Ihnen dieses Büchlein, ich hab es gelesen, doch ich verstehe da vieles nicht, wie es gemeint ist.“ Ich: „Oh, Dankeschön, ich werde es mir anschauen, und vielleicht kann ich Ihnen dann das eine oder andere erklären.“

Als ich das Büchlein gelesen habe, musste ich feststellen, dass vieles, was darin seht ungünstig erklärt bzw. formuliert war. Und wenn ich nicht selbst vom Fach gewesen wäre und mit den anatomischen Verhältnissen vertraut gewesen wäre, ich hätte auch nicht verstanden, was gemeint war.

Was allerdings dabei noch geschah. Das Büchlein hat mich auf eine Problematik aufmerksam gemacht, deren Umfang ich bis dahin noch nicht so wahrgenommen habe. Das mit dem Hallux valgus trifft ja fast ein Viertel aller Menschen. Ja, so ein Büchlein, gut und recht. Doch wäre es nicht sinnvoller einen VHS-Kurs zu dem Thema anzubieten? Da kann ich den Menschen genau erklären was gemeint ist.

Eine Patientin praktiziert eine Übung mit einem Tennisball

Ich habe den Kurs entwickelt. Zum Teil auf Basis dieses Büchleins, zum weitaus größeren Teil auf meinen eigenen Erkenntnisse aus meinem beruflichen Alltag. Vor allem jedoch, baut der Kurs auf der Philosophie von Rolfing. Seit nunmehr 10 Jahren biete ich meinen Kurs „Hallux valgus – was kann ich selber tun?“ an. In diesem Kurs nehme ich nur bis zu 10 Teilnehmer an. Eben wegen der individuellen und komplexen Problematik. Nur so kann ich auf jeden einzelnen der Teilnehmer individuell eingehen. Da die Kurse immer sehr schnell ausgebucht sind, manchmal schon am Tag der Erscheinung des neuen VHS-Programms, habe ich im Laufe der letzten 10 Jahre viele Hundert Kursteilnehmer gehabt. Das hat mir die Möglichkeit geboten, sowohl einen


weiten, als auch einen detaillierten Überblick über die Situation zu gewinnen. Hätte ich von Anfang an über die einzelnen Kursteilnehmer und deren spezielle Situation Buch geführt, ich könnte sicher darüber eine Doktorarbeit schreiben.

Mit jedem der Kurse habe ich den Kurs weiterentwickelt. Waren es vor 10 Jahren drei Abende á 60 Minuten, so sind es jetzt vier Abende á 1,5 Stunden. Und auch da reicht mir jetzt nicht mehr die Zeit, so dass ich jeden Abend mindestens eine halbe Stunde überziehen muß. Nicht nur der Kurs entwickelt sich weiter. Viele der Kursteilnehmer wählen nach dem Kurs schließlich die „Premium-Version“, sie kommen als Patienten zu mir in die Praxis. Hier kann ich natürlich noch tiefer auf die individuellen Zusammenhänge des Hallux valgus eingehen. Hier arbeite ich mit manuellen Techniken an der Körperstatik meiner Patienten, ich verändere diese gezielt um die ungünstigen Spannungen und Fehlbelastungen auszugleichen. Und auch hier haben sich im Laufe der vielen Jahre meine Therapieverfahren geändert, verfeinert und verbessert.


Im nächsten Teil erfahrt Ihr, wie komplex die Situation wirklich ist.


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